Eine Woche Ruanda

Von unserem Ruanda-Trip, den ich zusammen mit Alena & Anneloes über Ostern gemacht habe:

(english version below, previous post)

Los ging es morgens um 6 Uhr mit dem ersten Taxi (aka. Matatu – Minibus) nach Mbarara. Von dort mit dem nächsten Taxi weiter nach Kabale ganz im Süden kurz vor der ruandischen Grenze. Nach einem schnellen Mittagessen fanden wir auch sofort ein weiteren Transport nach Kigali. Etwas verwirrt waren wir ja, dass der liebe Fahrer uns für 5000 mitnehmen wollte und beinahe hätten wir ihm auch nicht geglaubt. Es stellte sich dann heraus, dass er von ruandischen Franc gesprochen hatte und nicht von ugandischen Schilling. Achso!

20min von Kabale entfernt ist die Grenze, wo wir ausstiegen und uns erst in Uganda ‘abmeldeten’ und dann nach kurzem Fussweg und Ebolafiebermessung auf der ruandischen Seite anstellten. Das Visum für Ruanda kostete 30$, die wir nicht in Schilling zahlen konnten und dann erst zu Wucherkursen Geld wechseln mussten. Nachdem ein Mitarbeiter dann mit uns zur Bank gegangen war und das Geld geprüft hatte bekamen wir endlich den Stempel in den Pass und konnten weiterfahren, was besonders die ein oder anderen ungeduldigen Mitfahrer freute. („time is money“)

Schwupps, waren wir in Ruanda und eine Stunde früher dran. (Ruanda hat die gleiche Zeitzone wie Deutschland) Nicht nur, dass wir auf der anderen, rechten Straßenseite über perfekte Straßen fahren, generell ist es auch sehr sauber. In Ruanda sind Plastiktüten nämlich verboten und in jedem Geschäft durch Papiertüten ersetzt. Meine Illusion von einem perfekten und umweltfreundlichen Ruanda wird allerdings nach wenigen Minuten jäh zerstört, als die Dame vor mir ihre leere Plastikflasche einfach aus dem Fenster wirft. Es ist eben doch nicht alles anders.

Das „Land der tausend Hügel“ macht seinem Namen alle Ehre und es geht eine kurvige Strecke entlang. Die Hochhäuser Kigalis erkennen wir dann auch schon bald aus der Ferne.

Am Busbahnhof angekommen fahren wir mit einem Moto ( das ruandische Pendant zu den ugandischen Bodas) zu unserem Hostel. Diese sind alle mit einer offiziellen Weste mit Nummer registriert und haben zwei Helme dabei, sodass wir ausschließlich mit Helm fahren. Zu Uganda, wo nicht mal jeder Bodafahrer einen eigenen Helm hat doch schon ein großer Unterschied, der wahrscheinlich auch viele Menschenleben rettet.

Die Moto – auch deutlich stärkere Maschinen – düsen mit uns also direkt zum Hostel. Durch das dunkle Kigali. Wirklich beeindruckend wie sauber und neu dort alles ist. Palmen auf dem Mittelstreifen und Lichter am Straßenrand lassen alles etwas unwirklich erscheinen.

Im Hostel gibt es dann ein feines Cheeseburger-Abendessen und die Kostprobe des ersten ruandischen Bieres (Mützig).

Weil im Hostel für die nächste Nacht keine Betten frei waren entschieden wir uns am nächsten Morgen nach Gisenyi an den Kivu See zu fahren.

Am nächsten morgen fuhren wir also wieder mit Motos zum Buspark und kauften uns Tickets für den Bus nach Gisenyi. Dieser fuhr nach festgelegten Uhrzeit und pünktlich ab – auch ein Unterschied zu Uganda. Die Strecke war wieder sehr schön mit Bergen auf der einen und dem Tal auf der anderen Seite. Etwa nach der Hälfte gab es eine Pause mit so etwas wie einer Autobahnraststätte, wo man aufs Klos gehen und essen kaufen konnte. (Auch das ist in Uganda anders, bzw. gar nicht vorhanden.)

In Gisenyi angekommen fuhren wir mit dem Moto zum Hostel und mussten leider feststellen, dass es ausgebucht war. Im nächsten war dann aber Platz und kurz nachdem wir angekommen waren begann es heftig zu regnen, sodass wir den restlichen Tag nur mit Kartenspielen verbrachten. Abends sind wir dann nochmal los durch das Städtchen und waren Abendessen, danach wieder zurück ins Guesthouse mit der nächsten Biersorte.

Unsere Gebete wurden erhört und am Morgen hatte der Regen tatsächlich aufgehört. So konnten wir nach einem sehr guten Frühstück an den Strand gehen und ein Stück entlang laufen. Ein paar Leute waren dort unterwegs und angelten oder schwammen,anscheinend zum Teil auch Urlauber.

Als wir weiter in die Stadt hinein liefen kamen wir zufällig an der Zieleinfahrt des „rwandan Cycling Cups“ vorbei. Eigentlich logisch hier Fahrradwettbewerbe zu veranstalten – wie gesagt viele Hügel und perfekte Straßen.

Wir bestellen uns in einem Restaurant das für Ruanda typische Broschette (gegrillte Fleischspieße) und machten uns danach wieder auf den Rückweg nach Kigali.

Abends war wir in einem chinesischen Restaurant direkt neben unserem Hostel und hatten eine Menge Spaß.

Der nächste Tag war Sonntag und weil wir wenigstens ein bisschen was von Ostern mitbekommen wollten fuhren wir zu einer Kirche in den Ostergottesdienst. Nunja, was soll ich sagen. Meins war es nicht. Es war eine Kirche der „Christian Life Assembly“, die irgendwie amerikanisch angehaucht war. – oder zumindest so, wie ich mir amerikanisch vorstelle. Der Gottesdienst war nämlich eher eine Show, die mit Countdown begann und von vorne bis hinten durchinszeniert war. Aber immerhin die Musik war gut, es spielten eine komplette Band mit Schlagzeug, Bass, E- und Akkustikgitarre, Klavier, Chor und Sängerinnen. Zwischendurch kamen ‘church news’ auf Leinwand und Teile als Kinofilm.

So ganz genau kann ich mir meine Abneigung auch nicht erklären, doch hätte ich mir in diesen 90 Minuten noch einmal das WM Halbfinale Brasilien- Deutschland angesehen, ich glaube ich wäre Gott näher gewesen.

Danach sind wir zum „Genocide Memorial“ gefahren. Eine Ausstellung, die sehr gut über die Ereignisse im April 1994 berichtet, als etwa eine Millionen Tutsi innerhalb von drei Monaten brutal ermordet wurden, während der Rest der Welt überhaupt nichts tat. Die Ausstellung ist kostenlos und damit für jeden zugänglich und ganz sicher ein wichtiger Bestandteil der Aufarbeitung und des Erinnerns. Die Unterscheidung zwischen ‘Hutu’ und ‘Tutsi’ wurde übrigens erst durch die deutschen und später belgischen Kolonialisten gebracht. Und auch die Rolle Frankreichs während des Genozids ist bis heute nicht ganz aufgeklärt.

Außerdem sind auf dem Gelände Massengräber mit einer Viertel Millionen (!) Menschen und ein Garten, der vieles symbolisch darstellt ( Einigkeit und Uneinigkeit Ruandas, Erinnerung, usw.)

Besonders erschreckend ist der ganz zum Schluss zu besichtigende „Raum der Kinder“ , der Namen, Alter, Lieblingsspeisen, Bilder und Todesart der ermordeten Kinder dokumentiert.

Erdrückt und angestrengt von diesem Besuch fahren wir weiter in die Stadt hinein und stellen zunächst fest, dass nicht wirklich viel los ist. Wir schauen kurz in eine Mall neben dem „City tower“ rein und gehen dann zu einem deutschen Supermarkt mit Metzgerei und Bäckerei.

Dann fahren wir nach „Nyamirembe“, ein junges Viertel von Kigali mit vielen ‘local’ Restaurants. Dort essen wir mit halbwegs gutem Blick über das nächtliche Kigali Fisch- Broschette mit Pommes und fahren dann zurück ins Hostel. Auch am 4. Tag bin ich noch von dieser Stadt geflasht.

Am Montag besuchten wir die beiden Genozid Gedenkstätten Nyamata und Ntarama, mit dem Matatu ungefähr eine halbe Stunde außerhalb Kigalis. Nyamata war eine Kirche, in der Tutsi Schutz gesucht hatten und sich auf eine kurze Zeit im Versteck eingestellt hatten. Dieser Schutz wurde ihnen aber nicht gewährt und beinahe alle (mehrere tausend) wurden ermordet. Auf den Kirchenbänken liegen noch die Kleider der Opfer und man kann Blutspritzer und Spuren der Granaten an der Decke und Wänden sehen. Hinter der Kirche sind Massengräber mit vielen Schädeln und Knochen.

Leider war die Führung sehr schnell und dadurch nicht wirklich angemessen .

Danach fuhren wir mit dem Moto weiter nach Ntarama. Mein Motofahrer erzähte mir, dass wir an seiner Schule vorbei kommen und diese von Rupert Neudeck und seiner Organisation aufgebaut wurde.

Ntarama war auch eine Kirche mit einem Klassenraum und Küche nebenan. Auch hier sieht man die Löcher in den Wänden und die Kleider sowie Haushaltsgegenstände der Opfer. Besonders die „Sundayschool“ zeigt einmal mehr, wie brutal auch Kinder ermordet und Frauen vergewaltigt wurden.

Von Nyamata sind wir dann mit dem Bus wieder zurück nach Kigali gefahren. Auf der Fahrt haben wir Emmanuel kennengelernt, der Alena erzählte, dass er als Tutsi den Genozid überlebt hat indem er in Kigali in einem Haus versteckt gehalten wurde.

Zum Mittagessen bekam wir dann endlich den bekannten, guten, sehr großen Fisch.

Daraufhin wollten wir einen bestimmten Markt finden und landeten letztlich auf einem Craftmarket.

Als wir wieder im Zentrum waren ( welches seinem Namen nicht unbedingt gerecht wird – es ist einfach nicht viel los. Das kann aber auch an Ostern und dem kommenden Gedenkstag gelegen haben.) gingen wir erneut in den UTC-Tower und schauten uns Cinderella im Kino an. Nach sehr langer Zeit war es sehr schön mal wieder im Kino zu sein.

Danach fuhren wir eine weitere Restaurantempfehlung zu testen, welche sich als sehr schnieke herausstellte. Wir aßen fein und fuhren zurück ins Hostel

Mir wurde auch erst in diesen Tagen klar, was der Monat April für alle Ruander für eine Bedeutung haben muss. 21 Jahre, eine doch sehr kurze Zeit, und jeder ist betroffen. Quasi jeder hat Familie, Freunde, Nachbarn oder jemand Bekanntes verloren.

Der Dienstag war Feiertag und Gedenktag. Genau vor 21 Jahren hatte der Genozid begonnen, in der Stadt sah man die ganze Woche über schon von verschiedenen großen Firmen gesponserte (?) Plakate, die daran erinnerten. Der Tag ist auch der Beginn der sogenannten ‘silent week’ , in der in den Bars und Restaurant keine Musik gespielt wird und nur Gedenkveranstaltungen stattfinden.

Wir waren etwas in der Stadt unterwegs und es war tatsächlich komplett ruhig und nur sehr wenige Menschen auf der Straße. Wirklich jedes Geschäft war geschlossen ( außer Nakumatt, eine große Supermarktkette, aber selbst dort fühlte es sich nicht wirklich normal an).

Es war irgendwie gespenstig durch diese ruhige Stadt zu laufen und zu beobachten, wie ein ganzes Land innehält.

Abens sind wir dann nochmal los an den Buspark um für den nächsten Morgen unsere Busfahrkarte zu kaufen und es war dann schon mehr los auf den Straßen. Die offizielle Gedenkveranstaltung, welche am Memorial stattgefunden hatte war vorbei. Auffallend waren die Verkäufer von grauen Schleifen ( ähnlich der roten Aids-Schleifen) und ‘Never Again’ Armbändern.

Am nächsten Morgen fuhren wir dann um 6 Uhr mit dem Bus nach Kabale. Das ‘Land der tausend Hügel’ machte zum Abschluss seinem Namen alle Ehre und weil der Busfahrer ohne Rücksicht auf jede Verluste durch die Serpentinen raste hatten wir alle mit der Übelkeit zu kämpfen. Dafür waren wir aber auch sehr schnell an der Grenze.

Schwupps, war es eine Stunde später und wir zurück auf der linken Straßenseite. Ich glaube ich war noch nie so froh über die zwar holprigen, dafür aber geraden ugandischen Straßen.

Über Mbarara und Kasese fuhren wir dann auf einer sehr schönen Strecke (zum Teil durch den Queen Elizabeth NP) zurück nach Fort Portal. Dort gab es dann die schon den ganzen Tag ersehnten Pommes zum Abschluss der Reise.

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