Von Marching Bands und langen Nächten

Heute melde ich mich wieder mit einem etwas längeren Blogeintrag über die Ereignisse der letzten Wochen.

Die letzten beiden Samstage sind wir früh aufgestanden. Vor zwei Wochen haben wir die Band aus dem Manna Rescue Home ( ein Waisenhaus für HIV-positive Kinder und Alenas Arbeitsplatz) zu ihrem ersten Auftritt begleitet.

Vom MRH aus sind wir gemeinsam mit der Band und den Instrumenten auf der Ladefläche eines Pick-Ups einmal durch die Stadt zur „Sky’s the Limit School“ gefahren. Dort haben sich alle Schüler versammelt um den Abschluss der Vorschulkinder , also der Nursery school zu feiern.

Nachdem die Band ein paar Takte gespielt hat und und sich die Kinder in Reihen aufgestellt haben ging es – für uns doch ziemlich überraschend – los durch die Stadt. Man sieht hier ab und zu solche Marching Bands, die gefolgt von einem Haufen Leuten durch die Straßen ziehen. An dem Tag waren wir also ein Teil dieses Umzugs. Nach der Band liefen die Nursery-Kinder und dann die andern Schüler. Die Leute am Straßenrand haben zugeschaut und gewunken und denn Kindern damit ihre Anerkennung ausgedrückt. Die Kleinen wurden auch in Talare gesteckt und sahen dementsprechend putzig aus:

Manna Rescue Home Band
Manna Rescue Home Band
Die Vorschulkinder, deren "Abschluss" gefeiert wurde.
Die Vorschulkinder, deren “Abschluss” gefeiert wurde.

Am Mittwoch waren Steffi und ich bei einer traditionellen Feier, wo wir unseren Empako ( Pet Name) offiziell verliehen bekommen haben. Charles, ein Freund vom Frisbee, hat mich am morgen darauf angesprochen, dass er so etwas organisiert hat und uns gerne einladen würde. Versammelt haben sich dann dort ein ein paar Leute und als erstes haben wir die traditionellen Kleider angezogen bekommen. Für Männer ist das ein „kansu“ , für Frauen bunte Kleider. Nachdem wir ein bisschen zu Musik mit gehüpft sind fing die Feier an. Ein „Gesandter“ vom König war da und nachdem wir die Bedeutungen der 12 verschiedenen Petnames genannt bekommen haben, durften wir uns einen aussuchen. Wir hatten ja schon früher unsere Petnames „Akiiki – the Giver“ und „Amooti – be loved“ bekommen. Diese nannten wir dem Mann vom Königreich und knieten uns einzeln vor ihn. Er legte die Hand auf den Kopf und sagte auf Rutooro, dass wir jetzt dazugehören und willkommen sind.

Auch wenn das Ganze für Touristen bzw. Leute wie uns, die etwas länger hier leben gemacht wird ( wer hier geboren wird bekommt seinen Petname 3 bzw. 4 Tage nach der Geburt) wirkte es auf mich sehr authentisch und schön. Zum Abschluss gab es dann Kalo, Posho, Reis und Pilzsoße und mit dem Essen war die Zeremonie beendet.

Von Mittwoch bis Freitag fand die von KRC organisierte „Climate Change Street Art Exhibition“ statt. Auf einem Grünstreifen wurden Zelte aufgebaut und verschiedene Organisationen konnten ihre Arbeit präsentieren. Von Solarlampen über Gemälde und T-Shirts bis Bananensaft und -Wein war alles mögliche vertreten. Die „Mountains of the Moon University“ stellte ein Spiel vor, welches die Auswirkungen von Umweltverschmutzungen auf die Natur und damit auf auch auf andere Menschen darstellte. Als Beispiel wählten sie den Mpanga Fluss, der vom Rwenzori Gebirge durch Fort Portal bis in den Victoria See fließt.

Außerdem wurde von Schülern Bilder gemalt und Gedichte vorgetragen, alles mit dem Ziel einen sensibilisierten Umgang mit der Natur zu fördern. „Street Talks“ wurden im Radio übertragen und kulturelle Tänze lockten viele Besucher an.

Climate Change Street Art Exhibition
Climate Change Street Art Exhibition
Climate Change Street Art Exhibition - man beachte den Banner von Kabarole Tours
Climate Change Street Art Exhibition – man beachte den Banner von Kabarole Tours
"Live Painting" von Schülern
“Live Painting” von Schülern

Dieses Wochenende stand der große „Birding day“ an; ein Tag an dem in ganz Uganda Gruppen losziehen um verschiedene Vogelarten zu finden und diese zu zählen. Das soll einerseits die Bedeutung der Vögel für die Natur würdigen und andererseits eine Art Wettkampf darstellen, wer die meisten Arten innerhalb von 24h findet. An diesem Tag hat man sogar freien Eintritt in alle Nationalparks des Landes.

Von dem neu gegründeten „Fort Portal Birding Club“ zogen 4 Gruppen los. Alena und Steffi waren dankenswerterweise Bereit mich zu begleiten, und so fuhren wir schon kurz nach Sonnenaufgang mit Richard, meinem Chef, zur Kihingami Schule. Dort sind wir dann gemeinsam mit einigen Schülern und Andrew, dem Leiter der Schule, in zwei Gruppen losgezogen. Am Morgen sind wir durch die Kihingami Wetlands gestapft und zwischen Teefeldern und Wald hindurch auf den Spuren von Elefanten. Zumindest ihre Fußabdrücke, ihre Spuren durch den Wald und ihre Hinterlassenschaften haben wir gesehen. Als wir wieder zur Schule zurückgekehrt sind haben wir uns erst mal erholt und Mittag gegessen, um am Nachmittag erneut loszuziehen. Doch leider hat es geregnet und so haben nicht nur wir uns zunächst untergestellt, auch die Vögel haben sich versteckt und die Nachmittagsrunde, durch den Kibale Forest NP, war deutlich kürzer Das war uns aber gerade Recht, da wir durch das frühe Aufstehen und die Wanderung am Morgen schon etwas müde waren. Als wir wieder an der Schule ankamen, haben wir die Liste ausgezählt. Die Schüler kamen auf fast 100 verschiedene Arten, die wir an diesem Tag gesehen oder gehört haben.

Brian hat uns von der Schule abgeholt und zurück in die Stadt gefahren. Zuhause ging dann nicht mehr viel außer einem schnellen Abendessen.

Spotting Birds
Spotting Birds
Unsere Gruppe am Birding Day bei der Kihingami Schule für Tourguides
Unsere Gruppe am Birding Day bei der Kihingami Schule für Tourguides

Am Sonntag haben wir dann ausgeschlafen und nicht viel gemacht. Das dieser Tag der erste Advent gewesen sein soll kann ich noch immer nicht ganz glauben. Es wird langsam wärmer und die Regenzeit scheint sich dem Ende zu zu neigen. Da passt es einfach gar nicht rein, dass jetzt schon Dezember ist. Wir haben uns jedenfalls noch schnell einen Adventskranz aus Bierdosen gebastelt um auch eine Kerze anzünden zu können.

Am Sonntagabend sind wir dann noch zu einem Konzert gegangen. Lange angekündigt war der Auftritt von Radio & Weasel , die hier vor allem durch ein ( wie ich finde sehr nerviges) Lied bekannt sind. Da auf den Plakaten nirgends eine Uhrzeit angegeben war, sind wir einfach mal auf gut Glück hin und dachten, dass an einem Sonntagabend der Auftritt schon nicht zu spät sein wird.

Wir wurden aber recht schnell eines besseren belehrt: Die Aussage an der Kasse war, dass sie anfangen werden, sobald genügend Leute da sind. Als wir dann vor der Bühne standen war aber noch relativ wenig los. Spätestens als um kurz nach zehn die Vorband (!) anfing, war klar, dass es ein längerer Abend werden würde. Die Band, komplett in rot gekleidet spielte die ganze Zeit durch, nur die Sängerinnen und Sänger wechselten sich ab. Es waren mindestens 5 , die jeweils für 2/3 Lieder auf der Bühne standen.

Gegen Mitternacht war es dann endlich soweit und die beiden Sänger betraten die Bühne.

Das Konzert hat mir dann sogar noch besser gefallen als erwartete, denn die anderen Lieder außer dem bekannten fand ich noch besser.

Als es anfing zu regnen ergab sich wieder eine komische Situation. Weil die meistens Leute nicht nass werden wollen und den Regen nahezu fürchten, haben sich alle schnell ein Dach über dem Kopf gesucht. Die ersten Reihen, die Stühle hatten, haben diese umgedreht über ihre Köpfe gehalten und dabei getanzt. Das war ein lustiges Bild. Zum Abschluss haben Radio & Weasel dann natürlich ihren Hit „Neer a Neer a“ gespielt und das Konzert war vorbei.

Am nächsten Tag, dem Weltaidstag, fand in Boma eine große Veranstaltung statt, zu der sogar Präsident Museveni nach Fort Portal kam. Es begann mit einer Parade durch die Stadt. Die MRH Band spielte wieder, diesmal noch mit Verstärkung einer anderen Marching Band. Dahinter kam eine lange Reihe von Schülern und Vertretern verschiedener Aidshilfe Organisationen, die alle nach Fort Portal gekommen waren, um diesen Tag zu zelebrieren. Unter dem Motto „ Getting to zero – my responsibility“ fanden dann auf dem Boma Playground viele lange Reden statt. Gleichzeitig präsentierten sich die verschiedenen Organisationen und verteilten Infomaterial.

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Schaut doch auch mal oben beim Menüpunkt „Unterstützung“ vorbei.

Jeder Spendenbetrag ist willkommen und als Dankeschön gibt es zu (oder nach) Weihnachten Post!

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